Transportmarkt 04.08.2022
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Fahrermangel aktuell – Hintergründe, Maßnahmen, Zukunftsaussichten

Älterer LKW-Fahrer steht vor seinem Fahrzeug.

Wenn schon der Verkehrsausschuss des Bundestags den Mangel an Berufskraftfahrern als existenzbedrohend einordnet – ist es höchste Zeit zu handeln. Um die eigenen Umsätze, Lieferketten und Serviceversprechen an Partner und Kunden sicherzustellen, muss genau jetzt ein Umdenken stattfinden.

Im heutigen Beitrag erklären wir, warum sich die Lage so zuspitzt, welche Maßnahmen seitens Politik gegen den Fahrermangel geplant sind und wie Sie sich optimal aufstellen.

Laderaummangel aufgrund von Fahrermangel? Hier gibt es handfeste Tipps und Lösungen, wie Sie jederzeit den passenden Transportdienstleister finden.

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Fahrermangel, woher kommt das?

Die Straßengüterindustrie ist schon lange für einen Großteil der Logistik verantwortlich. Die Bedeutung hat sich aber nochmal deutlich zugespitzt. Gründe hierfür liegen im veränderten Konsumverhalten, bei dem E-Commerce und Online-Shopping immer wichtiger werden. Hinzu kommen politische Entwicklungen wie zum Beispiel der Brexit, der die europaweite Logistik vor neue Herausforderungen gestellt hat.

 

  • Unattraktive Arbeitsbedingungen

Leider wird auch der Beruf des Kraftfahrers immer unattraktiver.  Gründe hierfür sind u. a. die komplizierte Vereinbarung zwischen Familie und Beruf. Konkret heißt das: Überstunden und Wochenendarbeit, sowie längere Touren, die mehrere Tage Unterwegssein bedeuten. Hinzu kommt die zu niedrige Vergütung für so eine belastende Tätigkeit. Aktuell liegt der Durchschnittslohn eines LKW-Fahrers bei 30.700€ laut StepStone.

  • Nachwuchsmangel

80.000 bis 100.000 LKW-Fahrer fehlen aktuell in Deutschland laut BGL Vorstand, die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher. Die Anzahl der Berufskraftfahrer*innen in Deutschland unter 25 Jahren beträgt nur 2,7 Prozent laut Studie des BAG. Der Generation Z, also jene, die zwischen den Jahren 1997 und 2012 geboren wurden, ist die Planbarkeit ihrer Arbeitszeiten besonders wichtig. Daher kommt dieser Beruf für den potenziellen Nachwuchs oft erst gar nicht in Frage. Immer mehr Unternehmen richten bei der Personalsuche daher ihr Augenmerk auf Quereinsteiger laut einem Artikel der DVZ. Durch Weiterbildungen oder Umschulungen sollen Quereinstiege ermöglicht oder leichter gemacht werden. Oft ist der Führerschein schon ausreichend.

 

  • Auswirkungen Pandemie und Ukraine-Krieg

Als Corona kam, wurden die weltweiten Lieferketten massiv zerrüttet und den Druck auf die Straßengüterindustrie weiter erhöht. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine fallen weitere Lkw-Fahrer weg. Nicht nur aus der Ukraine selbst, auch aus Polen, Belarus und Russland. „Die europäischen Frachtkapazitäten im Straßengüterverkehr sind [...] hierdurch um bis zu sieben Prozent eingeschränkt“, heißt es laut Spiegel-Bericht.

 

  • Komplexe Regelungen des neuen Mobilitätspakets:

Auch das neue Mobilitätspaket der Europäischen Union ist der Lage nicht zuträglich, wie Steven van Cauteren, Director of Key Account & Partner Management bei TIOMOCOM, in einem aktuellen Podcast erklärt. „Das Mobilitätspaket führt dazu, dass es für ausländische Unternehmen immer unattraktiver wird, gewisse Kabotage-Transporte auszuführen. Die werden sich deswegen primär auf ihre Märkte konzentrieren. Was dann bedeutet, dass weniger Kapazitäten für den deutschen Markt zur Verfügung stehen.“

 

  • Zunehmende Digitalisierung

Laut einer Studie sehen 35% der Befragten ihren Arbeitsplatz in der Logistik durch die Digitalisierung bedroht. Die Annahme herrscht vor, dass der Mensch in Zukunft beim Transport von Waren nicht mehr benötigt werden würde. Dabei umfasst das Tätigkeitsfeld von Berufskraftfahrern nicht nur das Fahren von Ladung von einem Ort zum nächsten. Es gehören u. a. die Kontrolle und Wartung des Fahrzeugs sowie die Koordination und Kommunikation mit anderen am Transport Beteiligten dazu. Viele dieser Tätigkeiten können nicht vollumfänglich digital ersetzt werden und brauchen einen Menschen, der sie übernimmt oder steuert. Technologien der Zukunft helfen dabei, Prozesse zu optimieren und smarter zu machen. Die Einführung neuer Technologien birgt somit Vorteile für Arbeitnehmer im Transportgewerbe.

Richtungswechsel: Transporteure bestimmen den Markt

Die Nachfrage an Kapazitäten und LKW-Fahrern steigt also seit Jahren. Verlader sehen die Logistik nicht mehr als notwendiges Übel, sondern als Alleinstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorsprung. Die Kontrolle über die eigene Supply Chain zu erhalten wird also immer wichtiger. Das bezieht sich auf die Transparenz, was die Durchführung des Transportes betrifft, aber auch, was die Sicherstellung der Kapazitäten angeht. Der Markt hat sich gewandelt. Immer mehr Transportdienstleister entscheiden heute darüber, mit wem sie zusammenarbeiten möchten und wie die Vergütung aussieht.

Risiken verstehen und proaktiv einlenken

Die vergangenen zwei Jahre stellten eine massive Herausforderung für die Logistik und gesamte Weltwirtschaft dar. Auf diese zu reagieren war nur mit einem umfangreichen Rahmenwerk für das Risikomanagement möglich und hat viele Unternehmen vor massive Herausforderungen gestellt.

Die Unternehmensberatung McKinsey hat das Supply Chain Risk Management in zwei einfache Bereiche unterteilt – „bekannte“ sowie „unbekannte Risiken“:

  • „Unbekannte Risiken“ sind Bedrohungen, die spontan auftreten und nicht absehbar sind. Dazu zählt Corona, die Havarie der Ever Given im Suez Kanal sowie der Krieg in der Ukraine.
  • „Bekannten Risiken“ sind Bedrohungen, die antizipiert, systematisch kategorisiert und im Vorfeld mit alternativen Handlungsempfehlungen versehen werden können.

Der Fahrermangel ist ein bekanntes Risiko, denn das Problem ist identifiziert, lässt sich einfach beschreiben und kann proaktiv angegangen werden. Denn aktives Management minimiert immer das Risiko. Industrie- und Handelsunternehmen aber auch Transportunternehmen benötigen ein hohes Maß an Flexibilität, um auf Marktveränderungen und schwankende Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Da die Anzahl geeigneter Fahrer immer stärker sinkt, reicht es nicht mehr aus, bei Nachfragespitzen oder kurzfristigen Aufträgen nach Alternativen zu suchen. Es muss also ein Umdenken stattfinden, dass den Wechsel zu proaktiven Entscheidungen vorantreibt.

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